Dorf-Stadt-Vorort
Herebeddiu – 851 zum ersten Mal urkundlich erwähnt
Über 1150 Jahre alt ist Herbede, die längste Zeit war es, auf dem Gleithang des linken Ruhrufers gelegen, ein beschauliches Dorf mit einem Übergang über die ungezähmte Ruhr, die den Charakter eines Mittelgebirgsflusses besaß.
Urkundlich wird Herbede 851 in einem Überführungsbericht erwähnt, als die blinde Werica aus dem Hofesverband ‚Herebeddiu’ (Heerbett ?) sich Heilung durch ihre Nähe bei den Reliquien des Hl. Alexander, einem römischen Märtyrer, erhoffte, denen sie nach der Überführung von Rom nach Wildeshausen eben dort begegnen wollte. Werica wurde schließlich sehend und damit ein leuchtendes Beispiel für die Kraft des Glaubens, den die Christianisierung so sicher verbreitete.
Ost- und Westherbede
Ost- und Westherbede bildeten sich aus und der Straßenverlauf der heutigen Meesmannstraße und der der Straße Ruhrtal dürften mit dem mittelalterlichen Verlauf der Straße zum Ruhrübergang im Bereich der heutigen Lakebrücke identisch sein. 1347 wird diese Brücke zum ersten Mal erwähnt, sie war zwischen Wetter und Hattingen der einzige feste Übergang über die Ruhr. Um 1200 umfasste der Herbeder Hofesverband am Ort selbst 22 Höfe, davon 12 im Siedlungskern Ostherbede, 10 neuere in Westherbede. Zu den ältesten Gebäuden in Herbede zählen heute der spätromanische Turm der Ev. Kirche, vermutlich aus dem 13. Jahrhundert, das spätmittelalterliche Frölenhaus in der oberen Wericastraße, das Haus in den Dornen (Ersterwähnung 1316) – heute Hof Därmann – und natürlich das Haus Herbede.
Haus HerbedeFast 600 Jahre lang, von 1304 bis 1889, bis zum Verkauf des Hauses, übte die Familie von Elverfeldt die Herrschaft über Herbede aus, ihr Sitz war das Haus Herbede. Das weitläufige Kirchdorf Herbede, lange Zeit mit einem eigenen Gericht versehen, gehörte verwaltungsmäßig teils nach Stiepel, teils nach Blankenstein, 1886 wurde es selbständige Amtsgemeinde. Herbede selbst bestand 1898 aus den Gemeinden Durchholz, Heven, Ostherbede, Westherbede und Vormholz, dabei ging Heven 1921 durch die Eingemeindung nach Witten verloren. Trotzdem, Herbede ist bis heute eine Flächengemeinde und beeindruckend groß: Auf 2.219 ha wohnten 1929 6.620 Einwohner, 1950 dann 9.478, heute sind es um 15.000.
Bergbau
Lange Zeit war Herbede ein vom Bergbau geprägter Ort, seit 1689, aber sicher früher beginnend, ist dieser Geschichtsabschnitt durch Zechennamen auf Herbeder Gebiet belegt: Anna & Sybilla, Taugenicht, Blankenburg, Elisabethenglück oder Gideon sind dabei die Namen großer oder größerer Zechen, die vielen kleineren Schürfstellen und Pütts, etwa 300 im Laufe der Zeit, existieren kaum mehr im Volkswissen, mit etwas Glück noch auf alten Karten. Bergbau meint aber auch die vielen heute oft noch sichtbaren Steinbrüche oder die Tonschieferbrüche für die Ziegelsteinherstellung, heute etwa bei der Bushaltestelle Burg gegenüber der Schrottfirma Bötzel oder der ehemaligen Ziegelei auf der Zeche Nachtigall.
Industrielle Entwicklung Herbedes
1874 bekommt Herbede seinen Anschluss an die Bergisch – Märkische – Eisenbahn, allerdings verspätet, da liegen andere Gemeinden zeitlich schon weit vor Herbede. Es erfolgen kurz darauf in einem kleinen Zeitfenster die Gründungen von größeren Firmen, etwa die Gussstahl-, Walz- und Hammerfabrik Lohmann (in Herbede seit 1859) oder das Stahlhammerwerk Krüner, 1886. Dittmann & Neuhaus wird 1898 gegründet, die Ruhrtaler Gesenkschmiede 1913, Pleiger 1925.
Eine große Brauerei, die Ruhrtalbrauerei des Fabrikanten Brinkmann, besteht 70 Jahre lang im Ruhrtal – von 1850 bis 1920. Von hier wurde das Produkt Bier sogar in eigenen Tankwagen per Bahn verschickt. Dem Besitzer verdankt der Ort die Schenkung des Helenenstifts, das seit seiner Gründung im Jahre 1904 mit dem Namen seiner Frau Helene verbunden ist.
Mit jeweils 1000 und mehr Beschäftigten gingen zwei Großzechen in die Herbeder Geschichte ein: Lothringen (1913 bis 1972) und Klosterbusch (1918 bis 1961), beide Zechen absatzgünstig direkt an der Ruhrtalbahn gelegen. Für Klosterbusch bestand eine Besonderheit darin, dass drüben in Querenburg die Kohle gefördert wurde und sie hier in Herbede als Rohkohle per Seilbahn in die Aufbereitung und dann in den Versand ging.
Antwort auf die Strukturkrise
Um den Arbeitsplatzverlust durch die beiden Zechen aufzufangen, hatte man schon zu Beginn der sich abzeichnenden Strukturkrise im Ruhrbergbau damit begonnen, ein Industriegebiet in der Nähe der Autobahn einzurichten, das Gewerbegebiet Westerweide war geboren. Heute befinden sich dort ca. 40 Firmen mit einem Arbeitsplatzangebot von nahezu 450 Stellen. Eine bemerkenswerte Nähe zweier sich scheinbar widersprechender Tätigkeiten wird hier erlebbar: Wohnen und Arbeiten zugleich sind in einem naturnahen Bereich wie der Westerweide durchaus machbar.
Dorf – Stadt – Vorort
Zur 1100-Jahr-Feier im Jahr 1951 feierte Herbede und wurde zur Stadt erhoben, es musste diesen Titel aber mit der Eingemeindung nach Witten im Jahre 1975 wieder abgeben.
So stimmt es denn, die längste Zeit seines Bestehens war Herbede ein Dorf, eine recht kurze Spanne von kaum 25 Jahren durfte es sich Stadt heißen. Heute nennt der eine deshalb seinen Ort Stadt, der andere doch wieder oder noch immer Dorf. Aber beide meinen jenen beschaulichen Ortsteil, der mit seinem naturnahen Hinterland und den bekannten Edelhölzern (Bommerholz, Vormholz, Durchholz, Buchholz) – Kämpen darf ich nicht vergessen – eben nur eins sein kann: Herbede.
Verfasser:
Heiner Knährich, Heimatverein Herbede, Stand 3/09
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