Dorfmeister – adé!

Dr. Gert Buhren verabschiedet den Dorfmeister

Dr. Gert Buhren verabschiedet den Dorfmeister

Fast auf den Tag genau waren es am 26.03.09 drei Jahre, in denen sich der wahrscheinlich erste Dorfmeister Deutschlands im Stadtteil Witten-Herbede um das Zentrum gekümmert hat. Weil die Finanzierung seiner Stelle über den Sommer 2009 hinaus nicht gesichert war, hat er in einer Nachbarstadt die ihm angebotene Stelle eines Hausmeisters angenommen.

Eine Idee des Bürgerkreises

Die Idee eines „Dorfmeisters“ für das Zentrum in Herbede ist vor einigen Jahren im Bürgerkreis entstanden. Dort wurde damals ein Mensch gesucht, der gern mit Menschen umging, der offen für etwas Neues war, der praktische Fähigkeiten hatte und der den besonderen Charme dieses Stadtteils vor Ort erhalten und nach außen vertreten sollte und auch bereit war, für ein geringes Salär diese Aufgabe zu erfüllen. Er sollte ein „Kümmerer“ und Helfer im Stadtteil sein.
In dem gelernten Schreiner Artur Goltz – seit längerer Zeit arbeitssuchend – war bald der richtige Kandidat gefunden worden.

Erfolgreiche Mischfanzierung

Der Dorfmeister wurde 2005 zunächst von der „Quabed“ (Diakonisches Werk Hattingen-Witten) gefördert und dann, im April 2006, vom Bürgerkreis Herbede e.V. fest angestellt. Viele Sponsoren (Einzelpersonen, Dienstleister und Geschäftsleute) haben das bis zum heutigen Tag mit kleinen und großen Spenden möglich gemacht.

Modell Dorfmeister Herbede – zur Nachahmung empfohlen

Der Bürgerkreis hat das Dorfmeister-Konzept bei verschiedenen Anlässen, auch außerhalb Herbedes, im Herbeder Bürgerladen präsentiert oder in Verbindung mit den täglichen Rundgängen des Dorfmeisters durch das Zentrum vor Ort erläutert. Von einigen Städten bzw. Stadtteilen wurde das Modell inzwischen übernommen. Der Dorfmeister hat außerdem durch verschiedene Presseartikel und auch durch das üerregionale Fernesehen viel Aufmerksamkeit erfahren. Er hat keine typischen städtischen Aufgaben übernommen; seine Leistungen waren stets Zusatzleistungen für den Stadtteil.

Einigkeit macht stark …

Wenn zwei Parteien sagen, sie tun alles für ihren Stadtteil, um ihn nach vorne zu bringen, meinen sie noch lange nicht dasselbe. Die Werbegemeinschaft Herbede z.B., einer der Hauptnutznießer, war nicht dazu bereit, den Dorfmeister mit zu finanzieren, zu betreuen oder gar einzustellen, so dass sich der Bürgerkreis, bis dahin eine informelle Gruppe, als gemeinnütziger Verein konstituierte und für „Artur“ Goltz einen regulären, hauptsächlich durch private Spendengelder finanzierten Arbeitsplatz schuf. Auch Aufrufe an weitere Immobilieneigentümer zur Mitfinanzierung blieben bisher leider unbeantwortet.

Verabschiedung des Dorfmeisters

Wir bedauern es sehr, dass die Spenden, trotz des bescheidenen Dorfmeister-Gehalts, nicht ausreichten, um das Projekt fortzuführen. Der Bürgerkreis hat sich am 28.03.09 von „Artur“ Goltz, dem Dorfmeister Herbede, verabschieden müssen. Er hat am 15.3.2009 seine neue Stelle in Hagen angetreten und deshalb Herbede verlassen. Das wird nicht nur von uns, sondern auch von vielen Bewohnern, Geschäftsleuten und Freunden Herbedes sehr bedauert, da er doch in den letzten Jahren erheblich zur Attraktivität unseres „Dorfes“ beigetragen hat. Wir freuen uns allerdings für „Artur“, dass er so schnell eine solide Anschlussbeschäftigung gefunden hat.

Unsere Erfahrung:

Der Dorfmeister

Der Dorfmeister

Wir sind von der Idee des Dorfmeisters überzeugt und sehen in seiner Tätigkeit und Funktion, mit einem hohen kommunikativen Anteil, einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des Wohlgefühls im Stadtteilzentrum. Der Dorfmeister braucht die Unterstützung der Gewerbetreibenden und der Immobilieneigentümer vor Ort, damit er seine Arbeit wirklich gut verrichten kann. Die Unterstützung hat aber nicht ausgereicht.
Die Stadt Witten hat es nicht einmal für nötig befunden, die Arbeit des Dorfmeisters und das Engagement der Sponsoren in einer angemessenen Weise zu würdigen oder dem Dorfmeister persönlich vielleicht einmal dafür zu danken, dass er sich u.a. auch um die Bepflanzung in der Einkaufsstraße kümmerte, Papier und Zigarettenkippen von der Straße aufsammelte und Aschenbecher anbrachte.
Der „Dorfmeister“ ist eigentlich aus dem Stadtbild von Herbede nicht mehr wegzudenken, in seinem roten Overall war „Artur“ immer ansprechbar und hat bei so manchen kleinen und großen Problemen geholfen. Was sagt mehr über die Wirkung des Dorfmeisters in Herbede aus als der Ausspruch eines kleinen Jungen, der in seinen Ferien den Dorfmeister begleitete: „Wenn ich einmal groß bin, möchte ich auch Dorfmeister werden.“

Zukunft des Dorfmeister-Projekts

Wir wissen z.Zt. nicht, ob das Projekt Dorfmeister fortgeführt werden kann. Wir haben über einen Zeitraum von drei Jahren jedoch gezeigt, dass es möglich ist, sinnvolle Aufgaben für die Gemeinschaft durch private Finanzierung zu realisieren. Da die Leistungen stets „On-Top-Leistungen“ waren, könnte dieses Projekt durchaus im Zusammenhang mit einer Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) fortgeführt werden, vorausgesetzt, die Händler und Immobilienbesitzer sind dazu bereit.

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