FAQ
Thema: Einzelhandel
- Fehlen in Herbede Verkaufsflächen für den Einzelhandel?
- Dies behauptet die Stadt. Um eine höhere Kaufkraft-Bindungsquote zu erreichen, müsse der Einzelhandel vor Ort gestärkt, sowie Ergänzungsflächen (von insgesamt ca. 1.000 m² Verkaufsfläche) hinzukommen, fordert die Verwaltung.
Wir finden diese Forderung befremdlich, weil sie überhaupt nicht mit den Einschätzungen der Herbeder Bürger übereinstimmt. Deshalb haben wir die Berechnungsmethode hinterfragt.
Die Berechnung der Kaufkraftbindung ist sehr spekulativ (Abweichungen bis zu 15% sind möglich), als dass daraus auf fehlende Verkaufsfläche geschlossen werden könnte. Dies wird an folgendem Beispiel deutlich: Liegt die tatsächliche Kaufkraft-Bindungsquote bei 65%, wie die GMA unterstellt, fehlen rechnerisch ca. 1.000 m². Liegt sie bei 70%, fehlen nur noch ca. 650 m² Verkaufsfläche, liegt sie bei 75% fehlen sogar nur 300 m² zusätzliche Verkaufsfläche.
Wichtiger ist: Die geringe Verkaufsfläche in Herbede ist kein Argument in Bezug auf die Leistungsfähigkeit der Betriebe oder die Zufriedenheit der Kunden. Möglicherweise ist Herbede der in Witten am besten aufgestellte Standort, da es eine hohe Flächenproduktivität aufweisen kann, das heißt auf wenig Fläche wird ein relativ großer Umsatz erzielt: 14 Lebensmittelbetriebe erwirtschaften ca. 19 Mio. Umsatz. Dies wäre eine Stärke des Herbeder Einzelhandels, und es wäre eine fatale Entscheidung für die Entwicklung des Standortes, wenn die Vergrößerung der gesamten Verkaufsfläche nicht mit einem Mehrumsatz im gesamten Zentrum einhergeht, sondern eine Senkung der Flächenproduktivität in Kauf genommen würde! Uns ist nicht bekannt, ob die Berechnungen der GMA dies berücksichtigen.
In Deutschland ist branchenübergreifend immer noch eine ausufernde Flächenexpansion festzustellen, im Unterschied zu anderen europäischen Ländern. Dies gilt ganz besonders für den Lebensmitteleinzelhandel. So liegt der deutsche Lebensmitteleinzelhandel 30 bis 40 Prozent unter der Flächenleistung Großbritanniens oder Frankreichs. Am eklatantesten ist das Problem im Lebensmitteleinzelhandel, wo in Deutschland fast 50 Prozent mehr Fläche zur Verfügung stehen als in diesen beiden Ländern(McKinsey).
Das Behauptung, es fehlten 1.000 m² Verkaufsfläche für den Einzelhandel, halten wir für nicht stichhaltig. - Kann Lebensmitteleinzelhandel auf kleiner Fläche funktionieren?
- Es gibt genügend Untersuchungen, aber auch Beispiele, die belegen, dass Lebensmitteleinzelhandel auf einer Fläche unter 500 m² (wieder) funktionieren kann. Beispiele:
* Unter dem Label nah & gut firmieren EDEKA-Nachbarschaftsmärkte mit einem vollen Lebensmittel-Sortiment, ergänzt durch Frischwaren und regionale Produkte.
* Der EDEKA aktiv markt bietet als Supermarkt ein Lebensmittel-Vollsortiment auf einer Verkaufsfläche zwischen 400 und 1.000 qm. Charakteristisch sind servicebetonte Spezialabteilungen und der Schwerpunkt im Frische-Bereich.
* Jörg Hieber, Betreiber mehrerer großer Supermärkte im Raum Lörrach an der Schweizer Grenze, zeigt, dass es möglich ist, einen erfolgreichen Supermarkt auch mit lediglich 500 m² Verkaufsfläche und 18 Parkplätzen zu betreiben, sofern Konzept und Unternehmensführung stimmen, stellt KPMG fest. Mit einer klaren Konzentration auf frische Produkte hat Hieber in Wyhlen „Hiebers Lädele“ eröffnet und damit neue Ideen für die Kleinfläche entwickelt. Auch wenn es noch nicht sehr viele Beipiele gibt, KPMG sieht dies als Beispiele für eine gelungene Revitalisierung der Kleinfläche. „Was hier in einer kleinen Gemeinde funktioniert, könnte sicher auch für Großstadtlagen Vorbildfunktion haben“. (Quelle: KPMG und EHI Retail Institute, Status quo und Perspektiven im deutschen Lebensmitteleinzelhandel 2006. KPMG International ist als Netzwerk rechtlich selbstständiger, nationaler Mitgliedsfirmen mit über 100.000 Mitarbeitern in 144 Ländern eines der größten Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen weltweit).
* KOMM-IN verfolgt ein Konzept, das auch auf genossenschaftlicher Basis organisiert werden kann; es bezieht die Verbraucher verstärkt mit in die Entwicklungen ein. Einen KOMM-IN gibt es auch in NRW: DorV Zentrum Jülich-Barmen.
* Bäckerei Brinker aus NRW wirbt bundesweit für ein eigenes Nahversorgungskonzept, sucht Betreiber und bietet Unterstützung beim Weg in die Selbständigkeit. - Reicht die Kaufkraft-Bindungsquote in Herbede nicht aus?
- Dies behauptet jedenfalls die Verwaltung?
Die GMA (Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung) stellt in Herbede eine Kaufkraft-Bindungsquote von lediglich ca. 65 % fest. Wünschenswert und ohne weiteres realisierbar seien aber mindestens 80%.
Eine Bindungsquote von 65% wäre die untere Grenze; im Ruhrgebiet ist eine Bindungsquote von 70-80% normal. Dies hängt mit den großflächigen Strukturen der Einkaufsmöglichkeiten und der Wohn-/Arbeitsplatzsituation zusammen: Einkäufe werden häufig in der Nähe der Arbeitsstätte getätigt.
Nach einer gutachterlichen Einschätzung, die dem Bürgerkreis vorliegt, sind Zahlen über Kaufkraftabwanderung im Rahmen von 10%-15% allerdings Spekulation. D.h. die Kaufkraft-Bindungsquote in Herbede kann ebensogut bei 50% oder auch bei 80% liegen. Bei richtiger Berechnung liegt sie wahrscheinlich bei 75-80%, damit im Ruhrgebietsdurchschnitt.
Diese Einschätzung des Gutachters bestätigt die Umfrageergebnisse des Bürgerkreises und die Meinung vieler Herbeder Bürger: Herbede ist gut versorgt.
Thema: Gerberviertel
- Ist die Gerberschule baufällig?
- Nein, sie ist nicht baufällig. Wenn die Stadt den Willen der Bürger respektieren würde und Interesse an dem Erhalt des Gebäudes hätte, ließe sie es nicht verwahrlosen. Herbeder Bürger haben ihre Unterstützung bei der Instandhaltung des Gebäudes angeboten; die Räume könnten sofort vermietet werden.
- Welche aktuellen Vorschläge zur Wohnnutzung des städtischen Grundstücks im Gerberviertel liegen vor?
- Keines der abgegebenen Gebote, die auf der Grundlage einer Ausschreibung für die städtischen Flächen im Zeitraum 07/06 bis 10/06 abgegeben worden waren, stimmte nach Ansicht der Planungsverwaltung mit der Rahmenplanung überein. Hätte daraufhin nicht eine Neuausschreibung erfolgen müssen? Oder hätte man sich nicht mit den beiden Anbietern über mögliche Anpassungen verständigen müssen? Immerhin sah eines der abgegebenen Angebote sogar den Erhalt der Gerberschule vor – eine Ausschreibungsbedingung!
Aber die Verwaltung sieht dies anders: „Aus städtebaulicher Sicht befürwortet die Planungsverwaltung die Gebote für einen Lebensmittelmarkt mit 2-geschossiger Bebauung am geplanten Kreisverkehr. Die beiden Gebote zum Wohnen weisen keine ausreichende städtebauliche Qualität auf und sind aufgrund des einwirkenden Lärms von Verkehr und Gewerbe auf ihre Umsetzbarkeit zu überprüfen“, nachzulesen im Protokoll zur Bürgerversammlung am 15.01.2007 im Rittersaal von Haus Herbede.
Eines der beiden Angebote für eine Wohnnutzung stammt von einer renommierten Wohnbaugesellschaft. Die Gesellschaft ist u.a. auf Schallschutzmaßnahmen spezialisiert, und deren städtebauliche Qualifikation dürfte kaum in Zweifel gezogen werden können. Ist den Rats- und Ausschussmitgliedern der Name dieses Anbieters überhaupt bekannt? Mitglieder des Bürgerkreises, der FDP und der WBG haben mit ihm gesprochen. Nach Ansicht des Bürgerkreises können fachliche Argumente die ablehnende Haltung der Verwaltung nicht erklären. - Wird die Wittener Straße zur Fußgängerzone?
- Einige Befürworter der Ansiedlung eines großflächigen Lebensmitteleinzelhandels im Gerberviertel sehen die Chance, dass dadurch das "Kolosseum" in den Ortskern integriert wird. Würde die Wittener Straße zur Fußgängerzone umgebaut, könnte dies vielleicht zutreffen. Dies ist aber nicht geplant, sondern auf der Wittener Straße wird sich das Verkehrsaufkommen durch einen großen Lebensmittelmarkt erhöhen. Wieviele Fußgänger werden sich mutig auf die Zebrastreifen wagen, um die Wittener Straße Richtung Meesmannstraße zu überqueren? Eine Ampelregelung ist in diesem Bereich nicht vorgesehen und gibt in dem geplanten Kreisverkehr auch wenig Sinn.
Wäre es da nicht besser, auf den teuren Kreisverkehr zu verzichten, die Wittener Straße zur Fußgängerzone zu erklären und aus der Meesmannstraße, die dann weniger frequentiert sein wird, eine Durchgangsstraße zu machen? Dann wäre auch das "Kollosseum" integriert. Es hat genügend städtebauliche Fehlplanungen gegeben (Neuer Markt, "Kollosseum"), warum nicht diese auch noch?
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