Gerberviertel 2010
Bürgerkreis Herbede e. V. 31. 05. 2010
Pressemitteilung zum Gerberviertel
In der Mai‐ Ausgabe des ‚Herbeder’ befasst sich der ‚aktuelle Bericht’ mit dem in Bau befindlichen Ärztezentrum im ehem. Rathaus. Der Bericht stellt u. a. fest, dass sich die, mit dieser Ansiedlung verbundene Belebung für Herbede „… um so mehr bemerkbar mache, wenn auch die Ansiedlung eines Vollversorgers Wirklichkeit würde.“
Wenn auch der Standort dieses Vollversorgers nicht benannt wird, ist nach der bislang geführten Diskussion zu unterstellen, dass damit das Gerberviertel gemeint ist. Mit dieser Formulierung wird der Eindruck vermittelt, als wenn dieses Thema ein Novum in Herbede wäre und hierüber bisher keine Diskussion stattgefunden hätte.
Daher will der Bürgerkreis nochmals die bisherige Position darstellen:
Im Zusammenhang mit den Grundstücksausschreibungen der Stadt Witten zum Gerberviertel/ ehm. Gerberschule in 2006/07 sowie den Diskussionen um den Masterplan Einzelhandel Witten hatten sich die Vereine Bürgerkreis , Heimatverein und Werbegemeinschaft sowie viele Herbeder Bürger und Bürgerinnen (mehr als 1.400 Unterschriften) entschieden gegen eine Lebensmittel‐ Einzelhandelsansiedlung (Discounter oder Vollversorger) ausgesprochen. Dies führte am 11. Febr. 2008 zu dem Beschluss des Rates der Stadt Witten:
„ Der Rat beschließt ein Moratorium. Am Standort ehem. Gerberschule ist Einzelhandel ausgeschlossen. Die Stadt Witten wird keinen Bebauungsplan aufstellen, mit dem Einzelhandel möglich wäre. Sie wird ihre Grundstücke am Standort ehem. Gerberschule nicht verkaufen oder verpachten, es sei denn, eine Nutzung für Einzelhandel ist dauerhaft ausgeschlossen. Das Moratorium entfällt, falls die im Versorgungsbereich Herbede genutzte Verkaufsfläche für Lebensmittel von derzeit 1. 820 qm für die Dauer von einem halben Jahr auf weniger als 1. 200 qm sinkt.“
Das summierte Flächenangebot der drei Märkte Edeka, Plus und Aldi hat sich seitdem nicht verändert.
Bekanntlich wird seit längerem an einer Neuausrichtung des Plus‐Marktes gearbeitet, der nach Realisierung (und Umstellung auf Netto) ein deutlich höheres Flächenangebot (mit weiteren Frischeartikeln) umfassen soll, wodurch die Bedingungen des Moratoriums eingehalten würden. Warum der bereits in 2008 eingeleitete Planungsprozess und die Projektentwicklung stagnieren, ist nicht eindeutig erkennbar und nachvollziehbar. Liegt es an der Verwaltung, den Eigentümern oder dem Betreiber? Zumindestens wird deutlich, dass an diesem Standort eine Bestandssicherung des Einzelhandels mit Flächenerweiterungen möglich und machbar wäre und somit über alternative Nutzungen im Gerbeviertel nachgedacht werden könnte.
Eine Umkehrung der bisherigen Ratsentscheidung wäre aus Sicht der derzeitigen Entwicklungen im Zentrum Herbede fatal und nicht zu vertreten:
- Das Versorgungszentrum an der Meesmannstr. ist (noch) ein Juwel im Vergleich zu anderen Stadtteilzentren in der Region. Viele Akteure arbeiten daran, dies zu erhalten.
- Seit der Entwicklung des ’Colosseum’/Eiscafe hat jedoch keine wesentliche Weiterentwicklung im Zentrum stattgefunden.
- Der westliche Teil der Meesmannstr. (etwa ab Fa. Gassmann) und der ’Rote Platz’ sind tendentiell durch negative Entwicklungen (Leerstände, Angebotslücken, Fluktuation) betroffen.
- Brachliegende oder minder genutzte Grundstücke ( z. B. Meesmannstr./Voestenstr., Meesmannstr./westl. Rautertstr.) in strategisch wichtigen Lagen werden nicht entwickelt, Ladenlokale z. T. nicht zentrumsgemäß genutzt.
- Moderne Marketing‐ Maßnahmen nach Außen und Innen (z. B. Leerstandsmanagement, Branchenmixsteuerung) fehlen. Bestehende Betriebe benötigen z.T. dringend Bestandssicherungsunterstützungen.
- Die Entwicklung des Ärztezentrums – so positiv dies auch für die Entwicklung des ehem. Rathauses und insgesamt für Herbede ist ‐ führt auch zu weiteren Veränderungen im Zentrum mit Standortaufgaben.
- Die wirtschaftliche Situation sowie die örtliche und regionale Bevölkerungsentwicklung schwächen derzeit Kaufkraft und Umsätze. Die Verwaltung ist auf absehbare Zeit personell und finanziell nicht in der Lage, eine aktive Zentrums und Stadtteilentwicklung in Herbede zu betreiben.
Was ist erforderlich?
Zentren benötigen als Grundvoraussetzung ihrer Existenz Magnetbetriebe, die ein hohes Kundenaufkommen umfassen. Dies sind ‐insbesondere bei kleineren Stadtteilzentren‐Lebensmittel‐Vollversorger oder Discounter. Idealtypischerweise liegen diese Betriebe am Anfang und am Ende eines Zentrums, zwischen denen sich kleinere Betriebe entfalten können. Daher brauchen wir
- eine Bestandssicherung der bestehenden Magnetbetriebe, vornehmlich des Vollversorgers im vorderen sowie eine Entwicklung der Brachflächen im weiteren Verlauf der Meesmannstr. Der Erhalt des Vollversorgers bedarf unserer gemeinsamen Unterstützung,
- ein aktives Zentrumsmanagement, dass insbesondere nach Innen gerichtet ist und die bestehenden Probleme angeht (z. B. Ladenleerstand, Mindernutzungen, Branchenmix, Kooperation mit Betreibern, Eigentümern, saisonale Aktivitäten, langfristige Ausrichtung, Kundenbeirat, Parkraumsituation, etc.), das die Stärken stärkt und die Schwächen schwächt,
- die Bereitschaft zur Zusammenarbeit aller Akteure und eine deutlichere Beteiligung und Einbindung der Grundstücks‐ und Hauseigentümer; das dauerhafte Vorhalten von Brachflächen oder überhöhte Grundstückspreise führen hier in die falsche Richtung,
- eine Moderation mit allen Beteiligten zur kurzfristigen Entwicklung des Plus‐Markt‐ Standortes durch die Stadt Witten.
Zu alldem benötigen wir eine Planungs‐ und Investitionssicherheit. Eigentümer und Betreiber müssen wissen, ob sich Investitionen im Zentrum zukünftig noch rechnen.
Die derzeit (wieder) aufkommende Diskussion um die Entwicklung des Gerberviertels zu Einzelhandelszwecken ist hierzu wenig dienlich und eher verunsichernd. Fragen zu Zentrenentwicklungen sind zu komplex, um mit singulären Vorschlägen, Meinungen oder der Wahrung von Einzelinteressen beantwortet zu werden.
Wichtig ist daher eine eindeutige Aussage der Stadt Witten zur Beendigung des Moratoriums, zur Einleitung weiterer Planungskonzepte für das Gerberviertel, ohne Einzelhandel und ein deutliches Bekenntnis zur Unterstützung des bürgerschaftlichen Engagements.
Bürgerkreis Herbede e. V.
Dieter Boele
(Vorsitzender)
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